Vagus Nerv Stimulation (VNS) bei therapieresistenter Depression

Was ist Depression?

Die Depression ist eine der weltweit am häufigsten vorkommenden Erkrankungen überhaupt. Sie wird zu den affektiven Störungen gezählt.
Ähnlich wie Rückenschmerzen machen ca. 70% aller Menschen im Laufe des Lebens eine depressive Episode durch. Die Ursachen können vielfältig sein; häufige Gründe sind z.B. der Tod von Lebenspartnern, Trennungen, berufliche Rückschläge wie Entlassung, Aufgabe des Betriebes etc. Die depressive Erkrankung kann sich äußern, z.B. in allgemeiner Unlust, Rückzug aus dem sozialen Umfeld, Schlaf- und Essstörungen. In schweren Fällen können auch Selbstmordgedanken hinzukommen. Das Gefühl des “Umsonst- Daseins” ist ebenfalls typisch für eine depressive Erkrankung. Psychotherapeutische Ansätze und medikamentöse Therapien können mit einer hohen Erfolgsrate helfen, die Depression zu überwinden. Aber bei 10% aller Patienten kann man auf Dauer trotz intensiver Psycho- und Medikamententherapie keine Besserung erzielen. Man spricht dann von Therapieresistenz. Hier setzt die Vagus Nerv Stimulation (VNS) an.

Was ist Vagus Nerv Stimulation (VNS)?

Die VNS-Therapie ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von bestimmten Formen der Epilepsie. Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hat man jedoch herausgefunden, dass bei vielen Patienten, die mit der VNS-Therapie behandelt worden waren, gleichzeitig die bestehende Depression deutlich gebessert werden konnte. Seit dem Jahr 2001 ist die VNS-Therapie in Europa und seit 2005 auch durch die Food and Drug Administration (FDA), der höchsten Zulassungsbehörde in Amerika, zur Behandlung der therapieresistenten Depression zugelassen.

In den USA und in Europa bedienen sich führende Psychiater mehr und mehr dieser Möglichkeit, um ihren Patienten zu helfen.

Die Erfolgszahlen sind ermutigend, und nach neuesten Studien konnte weltweit bei ca. 50% aller Patienten gegenüber den Ausgangsbedingungen eine Verbesserung erzielt werden. Durch die VNS-Therapie wurde eine wesentliche und andauernde Besserung der Lebensqualität erreicht, teilweise auch ein vollständiger Rückgang der Depression.

 

Wie verläuft die Stimulator Implantation?

Die Stimulationselektroden werden in einem ca. 1-2 Stunden dauernden Eingriff, der an der linken vorderen Halsseite erfolgt, implantiert, d.h. sie werden vorsichtig mikrochirurgisch von einem in Neuromodulation erfahrenen Neurochirurgen um den Nervus Vagus (10. Hirnnerv) linksseitig implantiert. Der Nerv wird dabei nicht verletzt. Durch ein Kabel sind die Elektroden mit einem kleinen, programmierbaren Generator verbunden. Dieser Generator wird unter der Haut im Bereich der linken Brust implantiert (ähnlich einem Herzschrittmacher).

Durch milde Stromreize wird der Vagusnerv in festgelegten Zeitabständen kontinuierlich gereizt (stimuliert). Die Wahl der geeigneten Stimulationsparameter und die Programmierung wird durch den Arzt vorgenommen. Die Batterielebenszeit des Generators liegt, je nach Stimulationsparametern, zwischen 6 und 11 Jahren. Zum Wechsel der Batterie ist nur ein kleiner Eingriff notwendig, der ggf. auch in lokaler Betäubung durchgeführt werden kann. Die Operation wird in Vollnarkose vorgenommen; der Patient bleibt danach in der Regel für 2 Nächte zur Beobachtung in der Klinik. Die Risiken der Implantation sind in den Händen eines erfahrenen Neurochirurgen minimal.
 

 

Was muss ich tun, um zu wissen, ob ich von VNS profitieren werde?

Für interessierte Patienten und zuweisende Kollegen bin ich ein erfahrener Ansprechpartner.

Die Entscheidung, ob ein Patient zur Implantation geeignet ist, trifft immer ein psychiatrischer Fachkollege. Für das Vorgespräch sind mindestens 2–3 Stunden notwendig. Der Patient sollte vorher bereits vorhandene Klinik- und Arztberichte einsenden.

Ist dann die Entscheidung getroffen, dass die VNS-Therapie sinnvoll ist, kann für den Patienten ein OP-Termin vereinbart werden.
In der Regel werden die Operationen an einem Freitag oder Samstag durchgeführt, so dass der Patient am Montag spätestens wieder in die Nachbehandlung entlassen werden kann.

 

Welche Nachbehandlung ist notwendig?

Der Psychiater wird in den Folgetagen die Stimulationsparameter so verändern, dass die optimale Wirksamkeit bei geringsten Nebenwirkungen eintritt. Dies geschieht entweder während eines stationären Aufenthaltes in der nachbehandelnden psychiatrischen Klinik von ca. 10 Tagen Dauer oder kann auch anlässlich mehrerer ambulanter Besuche in dieser Zeit erfolgen.

 

Was spricht dafür, mich in München von Dr. Frank operieren zu lassen?

Da ich mich schon lange mit der Neuromodulation befasse, zähle ich in diesem Bereich zu den erfahrensten Neurochirurgen in Deutschland. Bereits 2003 hatte ich an meiner früheren Wirkungsstätte, dem Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München, erfolgreich die Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson’scher Erkrankung und Tremor aufgebaut und wende erfolgreich auch die Rückenmarksstimulation bei sonst unbehandelbaren Schmerzen im Wirbelsäulenbereich an.

Ebenso biete ich die Occipitalisnerven-Stimulation (ONS) für Patienten mit chronischer Migräne und/oder Clusterkopfschmerz an. Die Zusammenarbeit erfolgt jetzt erstmal im Rahmen einer Datenerfassung, welche die Schmerzklinik Kiel betreut.

Die Vagus Nerv Stimulation erfolgt in Zusammenarbeit mit renommierten und führenden Psychiatern Deutschlands. Ob ein Patient sich für die Implantation (VNS) eignet, entscheidet der psychiatrische Kollege zusammen mit seinem Patienten. Er übernimmt daher auch die Nachbetreuung und Einstellung des Schrittmachers.

 

Welche Nebenwirkungen können bei der Therapie auftreten?

Die Nebenwirkungen der Therapie werden durch Optimierung der Stimulationsparameter, die individuell auf jeden Patienten eingestellt werden, minimiert. Die häufigsten durch die Stimulation ausgelösten Nebenwirkungen sind Heiserkeit, Veränderung der Stimmhöhe, kribbelnde Hautempfindungen, sehr selten vorüber- gehende Atemnot und vermehrtes Husten. Die Nebenwirkungen werden von den Patienten allgemein als nicht störend beschrieben und verschwinden häufig nach einiger Zeit von alleine.

 

Welche Patienten können nicht mit VNS behandelt werden?

Neben den Patienten, die aufgrund der psychiatrischen Evaluation nicht in Frage kommen, dürfen Patienten nach vorangegangener Vagotomie am Magen nicht implantiert werden. Bei Patienten mit Schluck-, Herz- und Atembeschwerden und Schlafapnoe muss die Indikation besonders sorgfältig geprüft werden. Bestimmte kardiale Vorerkrankungen können ebenfalls zum Ausschluss der Therapie führen. Während der Eingangsuntersuchung werden die Ausschlusskriterien sorgsam geprüft.

 

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Wie jedes neuromodulative Verfahren ist der technische Aufwand für den Impulsgeber und die Elektroden, die aus speziellen Platinfäden gefertigt sind, groß. Das System kostet ca. 12.000€.
Die Kosten für die Implantation betragen incl. Aufenthalt, Operation und Anästhesie ca. 10.000€.
Die Kosten der VNS-Therapie werden derzeit nicht von allen Krankenkassen erstattet. In jedem Fall ist ein begründeter Antrag zur Kostenübernahme sinnvoll, den Sie im Rahmen der Voruntersuchungen erhalten können. Die stationäre bzw. ambulante Nachbehandlung wird idR von den Kassen im Rahmen der Behandlung der Grundkrankheit übernommen.

 

 

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