Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom besser chirurgisch behandeln

Seattle – Eine Operation ist beim Karpaltunnelsyndrom auch dann einer konservativen Behandlung überlegen, wenn die Patienten noch keine Zeichen einer Nervenschädigung aufweisen. Die Unterschiede waren in einer randomisierten Studie im Lancet (2009; 374: 1074-81) jedoch gering, sodass nach Ansicht eines Kommentators die verschiedenen konservativen Behandlungsansätze durchaus ihre Berechtigung haben.

Wenn die Verengung des Karpaltunnels den Medianusnerv so weit geschädigt hat, dass Störungen der Sensibilität, eine Atrophie der Daumenmuskulatur oder beides eingetreten sind, führt kein Weg an einer Operation vorbei. Die meisten Patienten haben jedoch milde Symptome und viele stehen einer Operation ablehnend gegenüber, was sich auch in der randomisierten Studie zeigte, die Jeffrey Jarvik vom Harborview Medical Center in Seattle und Kollegen an 116 Patienten aus 8 Zentren durchgeführt haben.

Nur 44 der 59 Patienten, die einer Operation zugelost worden waren, konnten sich zu diesem Schritt entschließen und in der Gruppe, die konservativ behandelt werden sollte, kam es wegen einer Verschlechterung dann doch zu einer Operation.

Dieses ungewollte Cross-over erschwert die Beurteilung der Ergebnisse. Nach den Regeln der Intention-to-treat-Analyse müssen die Patienten, die einer Gruppe zugelost wurden, am Ende auch in dieser Gruppe bewertet werden, auch wenn sie ihre Meinung zur Therapie geändert haben.

Am Ende war die Operation des Karpaltunnelsyndroms den verschiedenen nicht chirurgischen Behandlungen – darunter eine Ergotherapie und Ultraschallapplikationen – nur gering überlegen. Der Unterschied im Carpal-Tunnel-Syndrome-Assessment‘-Fragebogens (CTSAQ) betrug ganze 0,40 Punkte in der Funktionsskala und 0,34 Punkte in der Symptomskala.

Das war zwar ein statistisch signifikanter Unterschied, deren klinische Relevanz jedoch fraglich ist. Die Autoren schließen daraus, dass eine Operation in dem relativ frühen Stadium der Erkrankung von Nutzen sein kann – auch wenn dieser Nachweis streng genommen eine unbehandelt dritte Studiengruppe erfordert hätte.

Die Kommentatoren Isam Atroshi und Christina Gummesson, beide aus Schweden, weisen darauf hin, dass die in der Studien angebotenen nicht chirurgischen Methoden sehr zeitaufwendig sind. Eine verbreitete Therapie besteht im Anlegen einer Armschiene, welche die Patienten über mehrere Wochen tagsüber und nachts tragen müssen.

Eine Operation könnte hier die schnellere Lösung sein, zumal wenn sie, wie in der Studie, ohne Komplikationen verläuft. Letztlich dürften die Präferenzen des Patienten entscheiden.

© rme/aerzteblatt.de

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