Rückenschmerzen verursachen die meisten Fehltage

Dienstag, 17. Dezember 2013

dpa

Berlin – Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems waren im Jahr 2012 der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit (AU): 441 von insgesamt 1.661 AU-Tagen je 100 Patienten (26,5 Prozent) waren dadurch bedingt. Etwa die Hälfte dieser Erkran­kungen entstand durch Rückenschmerzen. Das geht aus dem BKK-Gesundheitsreport 2013 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Er beruht auf den Abrechnungsdaten von 4,8 Millionen erwerbstätigen BKK-Mitgliedern.

Dem Report zufolge waren mehr als 95 Prozent der durch Rückenschmerzen bedingten AU-Fälle akut – nur 4,3 Prozent der Fälle waren chronisch und dauerten damit länger als sechs Wochen an. Diese Patienten verursachten jedoch 44 Prozent aller durch Rückenschmerzen entstandenen AU-Tage.

„Patienten mit chronischen Rückenleiden stehen vor einer Vielzahl von Möglichkeiten, sich behandeln zu lassen, vermissen bei den Behandlungsmöglichkeiten aber oft einen roten Faden“, sagte Ulf Marnitz. Der Orthopäde ist am Berliner Rückenzentrum am Markgrafenpark tätig, das mit der Betriebskrankenkasse VBU im Rahmen eines Vertra­ges zur Integrierten Versorgung (IV) zusammenarbeitet.

Auch für niedergelassene Ärzte sei es nicht einfach, sich im „Therapiedschungel“ zurechtzufinden. Gerade das unkoordinierte Vorgehen in der Versorgung sei aber häufig der Grund dafür, dass die Behandlung des chronischen Rückenschmerzes so teuer sei.

Marnitz plädierte für eine multimodale Rückenschmerztherapie, die unter anderem auch die psychische und die soziale Situation des Patienten mit in den Blick nehme. Im Rahmen des IV-Vertrags wird bei einer dreistündigen Diagnostik der Patient von einem Orthopäden, einem Psychotherapeuten und einem Physiotherapeuten untersucht und befragt. „Wenn Sie die psychischen und sozialen Aspekte bei der Diagnostik vernachlässigen, werden Sie dem Patienten nicht gerecht“, so Marnitz.

Wird in Deutschland zu viel operiert?
Dem Orthopäden zufolge würden lediglich fünf Prozent der Patienten mit Rückenleiden von einer Operation profitieren. Er verwies auf „belastbare Studien“, die gezeigt hätten, dass das Behandlungsergebnis ein Jahr nach einem Bandscheibenvorfall bei operierten Patienten dasselbe sei wie bei Patienten, die nicht operiert worden seien. „Vor diesem Hintergrund muss man sich schon fragen, ob in Deutschland nicht zu viel operiert wird“, so Marnitz.

Der Vorstand des BKK-Dachverbandes, Franz Knieps, erklärte, dass eine solche Zusammenarbeit zwischen einer Krankenkasse und einem Zentrum nur im Rahmen eines IV-Vertrages gelinge. „In der Regelversorgung bekommt man dies nicht abgebildet, weil die vorhandenen Beratungsziffern zum Beispiel das Zusammenwirken unterschiedlicher Professionen nicht abbilden“, sagte Knieps.

Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Aufsichtsbehörden von Krankenkassen angestrebte Selektivverträge in den vergangenen Jahren restriktiver bewerteten als zuvor. Zum Teil dauere es sehr lange, bis die Verträge genehmigt würden – oder ihr Zustandekommen werde mit kleinlichen Argumenten behindert.

„Wir hoffen, dass der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD nun so umgesetzt wird, dass Krankenkassen in der Praxis mehr machen können“, so Knieps. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung forderte er zudem, Werksärzten mehr Möglichkeiten zu eröffnen, zum Beispiel indem man es ihnen ermögliche, ihre Patienten direkt zu Fachärzten oder in Zentren zu überweisen. © fos/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56969

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